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12.04.2012 18:12 Uhr

Von Alkohol, Liebe und geteiltem Leid

Laut Schätzungen gibt es derzeit zwischen 1,3 und 2,5 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland. Auch ihre Angehörigen werden von der Sucht nicht verschont, sie befinden sich oft in einer Co-Abhängigkeit. Sie lügen für den Süchtigen, helfen ihm Spuren zu verwischen, den Schaden zu begrenzen, pflegen ihn und befinden sich selbst in dem Konflikt sich zu schaden und die Krankheit zu unterstützen. Die Autorin Franziska Steinrauch setzt sich mit diesem Thema in Ihrem Buch "Der kluge Säufer" auseinander.

Der Roman erzählt von einer solchen Geschichte. Als Franziska mit Achtzehn den zehn Jahre älteren Konzertgeiger Enno kennenlernt, entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden. Auch als sie feststellt, dass er alkoholabhängig ist, bleibt sie optimistisch und glaubt an ihre gemeinsame Liebe. Sie heiraten. Doch mit den Jahren wird ihre Liebe von Sorge und Mitleid um Enno überlagert. Sie gerät in Co-Abhängigkeit. Wut, Not und ihre Liebe zu ihm führen sie in eine verzweifelte Situation. Jahrelang steht sie ihm bei und hält seine Trinkerei und ihre eigenen Lügen aus, doch es wird immer schlimmer. Sie hat Angst, sich selbst zu verlieren, Ennos Alkoholsucht wird zu ihrem Lebensmittelpunkt. Sie flüchtet sich in Affären. Doch wird sie ihn verlassen?

In einer knappen pointierten Sprache macht Franziska Steinrauch die Angst und Verzweiflung der Frau deutlich, aber auch ihre Liebe, die starke Sinnlichkeit zwischen beiden und ihre Hoffnung. In Momentbeschreibungen baut sie eine unglaubliche Emotionalität auf, die mitleiden und -hoffen lässt und Franziskas Handeln für den Lesenden erfahrbar macht. Beim Lesen war ich so davon berührt, dass ich die Protagonistin am liebsten angeschrieen hätte, sie möge ihn endlich verlassen!

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