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18.05.2011 09:22 Uhr

Kantor Michael Harry Poths

Poths wurde 1958 in der wunderschönen Hauptstadt Hessens, Wiesbaden, geboren. Seine Eltern hatten die Ausreise nach Kanada schon fest gebucht, da sein Vater zu der Zeit als Dolmetscher für die US-Army tätig war, daher auch seine beiden Vornamen. Doch als Siebenmonatskind durchkreuzte er die Pläne seiner Eltern, und sie blieben in Deutschland.

Obwohl sein Vater aufgrund seiner Erlebnisse im zweiten Weltkrieg als Kind und Jugendlicher eher eine ablehnende Haltung gegenüber der Kirche eingenommen hatte, hörte er leidenschaftlich gern die damals noch verbotenen Rundfunkübertragungen der Konzerte aus der Leipziger Thomaskirche und zeichnete diese auf. Vermutlich erhielt Poths dadurch seine ersten Prägungen in dieser Richtung.

Mit zehn Jahren begann er, das Klavierspiel zu erlernen, mit 12 Jahren nahm er seinen ersten Orgelunterricht, bereits mit 13 wurde er in den hessischen Dorfgemeinden Eichelsdorf und Oberschmitten im ev. Dekanat Schotten vertraglich als Organist verpflichtet. Später reizte ihn die ferngesteuerte Orgel der Weilburger Schlosskirche, wo er gern und regelmäßig Vertretungen übernahm.

Nach einer kurzen Auszeit im Anschluss an sein Abitur (1977) entschloss er sich für das Studium der evangelischen Kirchenmusik in Frankfurt am Main (Examen 1984). Seit 1980 sammelte er Chorleitererfahrungen in weltlichen Chören, inspiriert durch seinen damaligen Kollegen in Weilburg, der 1985 schwer erkrankte, so dass er bis Mai 1986 die Vakanzvertretung an der Schlosskirche übernahm.

Aufgrund seiner strengen und disziplinierten Chorführung - vor allem gegenüber Personen, die meinen, mit dem Besuch von nur ein paar Proben kurz vor der Aufführung dann in der ersten Reihe mitsingen zu dürfen - war die Tendenz dort leider gegen ihn, dieses Phänomen bzw. Problem zieht sich wie ein roter Faden bis heute durch seinen Lebensweg.

In seiner damaligen Tendenz, kirchliche Chöre den weltlichen zu bevorzugen, ergriff er die Gelegenheit, im Sommer 1988 nebenamtlich als Chorleiter in zwei katholischen Kirchengemeinden seines heutigen Wohnortes Wetzlar zu übernehmen wie später auch die Organistendienste. Parallel suchte er seine zweite große Leidenschaft, die Stimmkunst, auszubauen. Da er als Ernährer einer Familie Geld verdienen musste und keine Lehrlingstätigkeit im Klavierbau mehr antreten konnte, gründete er 1993 sein Pianohaus in Wetzlar, das er bis 2003 inne hatte.

Rezessionsbedingt und aufgrund des schlechten Standortes begann er 1999 wieder intensiver, seine Chorleitertätigkeit auszubauen, und übernahm neben weltlichen Chören auch Chöre der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Während er den einen zu streng war, blieben ihm der Evangelische Kirchenchor Münzenberg, den er seit September 2001 und auch heute noch mit großer Freude und guten Erfolgen leite, sowie der Männergesangverein "Germania" Hohenahr-Großaltenstädten, den er seit Januar 2003 leitet.

In seinem Pianohaus entwickelte er den Sektor "Institut für musikalische Ausbildung". Diese Bezeichnung ist ihm zum einen wichtig, weil Qualität bei ihm oberste Priorität hat, und er sich von den auf Keyboard basierenden Musikschulen etc. abgrenzen möchte, auch, weil er bereits damals die Auffassung vertrat (und danach handelte), keine Gesangsausbildung bzw. Stimmbildung ohne Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Atem- und Entspannungstraining. Nicht zuletzt, weil er als Kantor und Konzertorganist mit akademischem Abschluss eben auch qualitative Ausbildung an der Orgel anbietet, die auf D- und C- Prüfung abzielt. 1997 spielte er an der digitalen Orgel Ahlborn-Hymnus II in seinem Institut seine erste CD ein mit Werken von J.S. Bach, Karg-Elert, Guilmant und Widor.

Somit hat er immer wieder als Organist konzertiert, u.a. in der Weilburger Schlosskirche, dem Wetzlarer Dom, der Bergkirche Wiesbaden, der Herz-Jesu-Kirche in Dillenburg, der Stadtkirche Limburg und der Cathedral of Worcester. 1996 leitete er das Abschlusskonzert der Michael-Bach-Tage in der Stadtkirche Gehren (Thüringen) als Dirigent seine überregionalen Vokalensembles Wetzlar mit Orchester sowie an der Sauer-Orgel von 1895. In dieser Zeit hat er mehrfach angestrebt, durch Gründung eigener Ensembles seine Qualitätsvorstellungen von Chorarbeit umzusetzen. Letzteres ist durch das hohe Freizeitbewusstsein der Menschen implizit der langen Ladenöffnungszeiten und damit verbundener Arbeitszeiten, die bei vielen bis in den Abend hineingehen, immer schwieriger geworden. Die Zuverlässigkeit Einzelner bezüglich Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit war unzureichend, so dass sogar der eine oder andere Auftritt gefährdet war.

Im September 2003 sollte sich dann endlich, fast 20 Jahre nach seinem Examen, sein Wunschtraum bezüglich eines hauptamtlichen Kantorates erfüllen, wenn auch nur mit 50% Dienstumfang, nämlich an der Evangelischen Stadtkirche Grünberg (Oberhessen). Aufgrund seiner persönlichen Prägung strebte er natürlich entsprechendes, vorwiegend "klassisches" Niveau, sowohl in der Chorarbeit als auch mit der Orgel an.

Während seine Gründung der "Orgelmusik zum Wochenmarkt", eine Konzertreihe, die er an jedem Freitag vom 10. Oktober 2003 bis einschließlich 31. Dezember 2010 gespielt hatte, erfolgreich war, musste er sich in der Chorarbeit divergierten die Erwartungshaltung der Mitglieder bzw. der Kirchengemeinde und seine Ansprüche derart, dass er sich entschloss, diese Tätigkeit zum Ende 2010 zu kündigen.

Im Jahr 2009 hat er seine ersten beiden Tonträger an Pfeifenorgeln eingespielt, die 1. Grünberger Orgel-DVD mit Werken von J.S. Bach, Mendelssohn-Bartholdy, Reger, Mulet und Messiaen und die erste Asslarer Orgel-CD mit Werken von J.S. Bach, Mendelssohn,-Bartholdy, Franck, Widor und Vierne.

Dass seine Wirkung auf Chöre völlig anders sein kann (und er heute durchaus weltliche Chöre kirchlichen bevorzugen kann), beweist die Tatsache, dass der Gesangverein "Eintracht" Rauschenberg-Bracht ihn nach vier Vertretungen einstimmig zu seinem neuen Leiter nominiert hat, er leite dort Frauen-, Männer- und gemischten Chor seit August 2009 in gegenseitiger Zufriedenheit. Seit März 2011 leitet er darüber hinaus den seit 11 Jahren bestehenden Blues-Chor Laubach e.V.

Poths Weblinks:
http://www.kantor-poths.de

http://kantor-poths.organistenscout.de

 

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