Marketing- und Vertriebsplattform für Kunst, Literatur, Musik, Film, Bühne und Medien.

Start Shop EBooks MP3-Download Kalender News Marktplatz Seiten
05.04.2012 10:23 Uhr

Der Kulturinfarkt

Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.
Zu viel Geld für Kultur schadet nur - eine Provokation. Immer mehr Geld für die Kultur! Dabei haben wir schon von allem zu viel und überall das Gleiche. Vier führende Kulturexperten entlarven den Mythos vom Kulturstaat und ziehen gegen die Auswüchse der Subventionskultur zu Felde. Denn das oberste Ziel öffentlicher Kultureinrichtungen ist nicht etwa Kunst oder Innovation, sondern der schiere Selbsterhalt.

Das kulturpolitisch so erfolgreiche Programm einer "Kultur für alle" war Höhepunkt der bürgerlichen Bildungsutopie, die tief in der deutschen Klassik wurzelte: Es ging um nichts weniger als die »ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts«; darunter machen es die Deutschen nicht. Doch längst können Kunst und Kultur weder das individuelle noch das kollektive Glücksversprechen erfüllen. Sie ermöglichen weder die Vervollkommnung des Einzelnen noch erlösen sie von den Zumutungen der Globalisierung und Moderne.

Sie stiften weder den Zusammenhalt der Nation noch helfen sie bei der Integration des Fremden. Sie befördern nicht die Wirtlichkeit unserer Städte und schon gar nicht das ökonomische Wachstum durch eine blühenden »Kreativwirtschaft«. Vielmehr spaltet öffentlich geförderte Kultur die Gesellschaft.

Der Fetisch Kulturstaat, in dem alle diese Wunschvorstellungen kulminieren, stößt an seine Grenzen. Wer einen Diskurs über die Ziele öffentlicher Kulturausgaben möchte, trifft auf eine harte Kulturlobby: Gegen Kultur darf niemand sein und alles, was ist, muss bleiben. Denn das oberste Ziel öffentlicher Kultureinrichtungen ist nicht etwa Kunst oder Innovation, sondern der schiere Selbsterhalt.

Haselbach, Klein, Knüsel und Opitz fordern Verzicht: Derzeit fördern wir Lobby und Institutionen - nicht die Kunst.

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Kommentar:
Ich möchte bei neuen Kommentaren per Email benachrichtigt werden.
 

Weitere Artikel

DJs kleines Sprachbrevier Discount-Journalismus und Rieseninsel

Auch in dieser Ausgabe setzen wir unsere Reihe fort: Unser Mitarbeiter Jens Petersen liest kritisch, was ihm so ins Haus flattert. Alle Zitate wurden wörtlich inkl. "Rechtschreibung" übernommen.

[mehr]
Eleonore Prochaska Eleonore Prochaska, vor etwas mehr als 225 Jahren in Potsdam geboren, schloss sich damals 28 jährig als Mann verkleidet dem Lützowschen Freikorps in den Befreiungskriegen gegen Napoleon an und wurde im Kampf schwer verwundet und starb. Als patriotische Freiheitskämpferin wird sie seither als "Preussische Jeanne d'Arc" verehrt. [mehr]
Die kulturelle Unterscheidung "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" – der Ausspruch verweist auf ein Mehr, vielleicht ein Höheres, einen Sinn, auf etwas, das dem bloß Notwendigen abgerungen ist. Wäre dies das Kulturelle? Aber "Kultur ist, wie der Mensch lebt und arbeitet", konterte der Gewerkschaftsbund und bahnte damit den Weg, das mit Hoffnung besetzte Etwas, nennen wir es weiter das Kulturelle, aus den Sphären derjenigen, die sich das leisten konnten, herabzuholen in die derjenigen, die etwas leisteten. [mehr]

Diese Seite verlinken

Startseite Crowdfunding AGB Datenschutz Impressum Fan-Artikel Hilfe Handbuch